Jaguar vor radikalem Umbruch

von 2003 bis 2009, als 3.0 oder 4.2 L
Antworten
Benutzeravatar
flatsix911
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 190
Registriert: Sa 28 Mär, 2020 17:38
Kontaktdaten:

Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von flatsix911 » Mo 28 Jun, 2021 22:52

Moin,

ich stelle das mal hierrein, weil ich unter Jaguar News kein Thema eröffnen kann. Und weil der X350 vermutlich der letzte ist, der die alten Werte repräsentiert.

https://www.auto-motor-und-sport.de/neu ... ueberlebt/

So sehr ich der alten Marke verbunden bin, so wenig bin ich es der neuen ab etwa 2010, auch und in erster Linie wegen des relativ beliebigen Designs. Deshalb konzentriert sich mein Interesse an einem möglichst profitablen Fortbestand der Marke auch im wesentlichen auf die Ersatzteilversorgung für die älteren Modelle.

Wenn jetzt der Hersteller alle Verbrenner einstampft und ab 2025 nur noch Elektrofahrzeuge im Premiumsegent anbieten will sind das zunächst mal keine guten Vorzeichen für die älteren Fahrzeuge und ihre Versorgung mit Ersatzteilen. Dabei ist mir schon klar, dass Alternativen zu Jaguar gibt- rührige Händler, die auch selber Teile nachfertigen lassen zum Beispiel. Trotzdem - viele Teile für die"jüngeren "Modelle (1997 bis 2010) gibt es heute schon nicht mehr bei Jaguar das wird vermutlich nicht besser werden.

Ich bin nicht sicher, ob das Vorhaben von Herrn Bollore´richtig und schließlich erfolgreich sein wird, aber man muss ihm wohl Glück wünschen mit seiner Strategie, damit wenigstens auch die Heritage Sparte erhalten bleiben kann.

Was denkt ihr?

Grüße, Guido
XK8 4.2 Cabrio (X100), XJ (X358)

Benutzeravatar
Willi
Veteran
Veteran
Beiträge: 594
Registriert: Mo 02 Feb, 2015 19:30
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von Willi » Di 29 Jun, 2021 04:40

Hallo,
Ich habe seit ca. 30 Jahren immer einen Jaguar Old- oder Youngtimer als Schönwetter- Fahrzeug in der Garage und bin genau so lange aktiv in der Jaguar- Oldtimer- Szene. Sei es in der Jaguar-Asscosiation als Registrator des MK II eine Weile, bei uns in Stuttgart als Aktiver der Jaguarfreunde- Stuttgart oder auch Online. An Fahrzeugen war ziemlich alles dabei wie MK II, XJ Serie, XJ-S Cabrio, X300, XJ40 und seit ca. 5 Jahren das XK8 Cabrio. Echte Ersatzeilprobleme gab es nie. Für mich gehe ich davon realistisch aus, dass ich in 10 Jahren wohl eh meinen Führerschein abgeben werde. Wenn Jaguar dann meint, nur noch Hochhäuser bauen zu müssen - sollen sie das machen. Mir persönlich ging es beim Hobby - Thema Jaguar schon immer um die Erhaltung des Bestehenden. Alltagsfahrzeuge kamen immer von anderen Herstellern.
Kommt evt. auch daher, dass das Stuttgarter Jaguar - Haus von Anfang an nie ernsthaft etwas mit Oldtimern zu tun hatte. Bei meinem MK II und Werkstattsuche bin ich 2 * darauf hingewiesen worden, dass die Werkstatt sich mit den alten Autos nicht wirklich auskennt, bzw. nicht will. Also folgte dann die Hilfe durch Selbsthilfe bzw. freier Werkstätten. Das hat die Verbundenheit zu Jaguar selbst etwas gestört.

Ergebnis: Soll sich Jaguar umbrechen - einbrechen oder was auch immer. Für meinen Teil habe ich Spaß an meinem XK8 und Morgen ist es evt. ein anderes Jaguar Modell , unabhängig was der Hersteller treibt.

Grüße, Willi

Benutzeravatar
flatsix911
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 190
Registriert: Sa 28 Mär, 2020 17:38
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von flatsix911 » Di 29 Jun, 2021 19:57

Moin Willi,

eigentlich geht es mir ganz ähnlich, auch ich bin mehr den Fahrzeugen und der Historie als der Marke verbunden. Das gleiche gilt auch für den Hersteller aus Zuffenhausen, dessen luftgekühlte Fahrzeuge mich seit fast 30 Jahren begleiten. Klar ist auch, dass die von uns alten Knaben nicht leben können, weil wir die aktuellen Fahrzeuge nicht kaufen.

Und viel weiter als du bin ich von der freiwilligen Abgabe des Führerscheins auch nicht entfernt. Also gehen wir davon aus, dass es solange noch Sprit an Tankstellen und E-Teile gibt, mehr ist ja nicht verlangt.

Danke für deine Meinung und

Grüße, Guido
XK8 4.2 Cabrio (X100), XJ (X358)

Benutzeravatar
ArminSTR
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 17
Registriert: Mo 25 Nov, 2019 12:03
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von ArminSTR » Mi 30 Jun, 2021 09:28

Sprit wird es noch ne Weile geben....wenn auch teurer...es wird noch mehr als ein Jahrzehnt brauchen bis überwiegend E-Autos auf der Straße fahren...erst muss mal genug Strom erzeugbar sein...ein mehrfaches von dem was derzeit erzeugt wird...meiner Meinung nach sind das "Nullnummern"....wie so vieles heutzutage...alles sol Öko werden...dabei wird nur von einem Dreck zum nächsten verlagert....egal

der Verbraucher bestimmt was verkauft wird...ich werd kein E Auto kaufen in meinem noch verbleibenden Leben....würde viele so denken wär das Thema längst erledigt... :D

Die neuen Fahrzeuge erscheinen mir mehr und mehr gleich...in wenigen Jahren wird es ohnehin nur noch einige Autokonzerne geben...immer mehr Fusionen laufen an....

Bleibt also nur die Freude an dem was wir haben.....beim Blick nach vorn wird mir Speiübel....

Benutzeravatar
pipowicz
Veteran
Veteran
Beiträge: 383
Registriert: So 11 Jun, 2017 00:25
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von pipowicz » Mi 30 Jun, 2021 23:15

Servus !
Mir geht es auch so. Werde meinen XKR noch so lange genießen, wie ich kann. Jaguar nur noch Elektro, grausam.
An seelenlosen E Autos habe ich kein Interesse.
Cheers !

Benutzeravatar
cumberland
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 76
Registriert: Sa 26 Nov, 2016 17:06
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von cumberland » Do 29 Jul, 2021 11:55

Moin!

Nachfolgend meine persönliche Meinung dazu:

Aha, nun hat Jaguar zum zweiten Mal in seiner jüngeren Geschichte erkannt, dass es nicht gelingen wird, die Marke zur Massenmarke wie Audi oder BMW zu machen. Auch dann nicht, wenn die Autos aussehen wie Audi oder BMW.
Das ist für das Management und die Eigentümer natürlich keine gute Nachricht, denn profitabel ist man heute eigentlich nur mit Leasingkunden aus dem Dienstwagenbereich. Die paar Privatleute, die sich einen Neuwagen leisten können, halten eine Marke nicht über Wasser.

Nun kommt der "Helden-Notausstieg", indem man Jaguar als E-Auto-Marke neben Land-Rover "nebenher" laufen lässt.
Jedes 10. Auto im Werk purzelt dann als Jaguar vom Band, oder so ähnlich.
Natürlich nur, wenn es auch potente Käufer gibt, sonst wird aus Jaguar eben das, was vorher aus der Marke "Daimler" wurde - sie läuft halt aus.

Wenn man bedenkt, dass Herr Tata die Marke Jaguar eigentlich gar nicht haben wollte (Quelle: altes Interview), sondern nur auf Land-Rover scharf war, aber die Marken nur im Paket von Ford bekommen konnte, klingt das für ihn nun sicher nicht unplausibel.

Das ist aber für die Marke Jaguar eine gefährliche Strategie:

Es ist keine Kunst, Luxus-E-Autos für >100.000 EUR zu bauen.
Die Technologie ist bei Zulieferern verfügbar.
Wenn aber der Antrieb gnadenlos austauschbar ist, kann der "Jaguar-Aufpreis" nur noch mit Marke, Design, Software und Ausstattung gerechtfertigt werden.
Leider hat das nicht nur Jaguar erkannt, sondern auch Mercedes, BMW, Porsche (und Tesla sowieso) ...
Alle stürzen sich auf das Segment der luxuriösen E-Autos und überlassen es mehr oder weniger dem Ausland, preisgünstige und familientaugliche E-Autos zu bauen.

Das heißt:
Der Wettbewerb um die luxuriöse E-Oberklasse wird hart und wenn man mit anderen Herstellern auch noch kooperiert, bleibt nur noch Marke und Design - das ist echt wenig. Vor allem dann, wenn man alle Brücken hinter sich abbricht und "nicht zurückblickt", wie es im Artikel steht.

Auch ich werde meinem DD6 natürlich erhalten und mich daran erfreuen.
Aufgrund der schlechten Werkstattabdeckung hier in der Region fahre ich im Alltag ohnehin andere Autos.

Wir sollten alle der Marke die Daumen drücken, dass das neue Konzept klappt.
Sollte die Marke Jaguar diesen Umschwung nicht überleben, wirft dies auch Schatten auf die Freunde der älteren Fahrzeuge:

Vor einigen Jahren fand hier mal eine Oldtimer-Schau auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums statt.
Die Leute drückten sich die Nase platt an überwiegend schlecht erhaltenen Mercedes, Porsche und US-Autos.
Zwischendrin stand ein top restaurierter Borgward Isabella und neben ihm ein älterer Herr, der den Wagen eigenhändig restauriert hat.
Niemand interessierte sich für sein Auto.
Das tat mir sehr leid, aber so läuft es am Ende für eine tote Marke.
Will jemand einen NSU kaufen?

Benutzeravatar
flatsix911
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 190
Registriert: Sa 28 Mär, 2020 17:38
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von flatsix911 » Do 29 Jul, 2021 23:08

Moin,

ich kann dir ja weitgehend folgen in deinen Einschätzungen, allerdings bewerte ich den einen oder anderen Aspekt ein wenig anders.

Die technische Basis z.B. interessiert die meisten Käufer heute wenig, meist kennen sie die nicht einmal. Wichtig ist dagegen der Verbrauch und die Leistung, also nur die Ergebnisse nicht die Art der Bereitstellung. Deshalb ist die mangelnde Differenzierung durch gleichartige Modulkomponenten elektrischer Fahrzeuge eher kein Problem.

Differenzierung durch Design und Marke sind eigentlich auch heute bereits die wesentlichen Kaufanreize im Premiumsegment. Und obwohl im wesentlichen durch mangelnde Qualität und Zuverlässigkeit in der Vergangenheit viel zerstört worden ist halte ich die Marke für relativ stark, wegen ihrer Historie und auch weil sie im Vergleich zu BMW, Audi und Mercedes keine Massenware ist.

Und das man auch mit relativ kleinen Stückzahlen hochprofitabel in der Automobilindustrie überleben kann hat Porsche bewiesen.

Grüsse Guido
XK8 4.2 Cabrio (X100), XJ (X358)

Benutzeravatar
cumberland
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 76
Registriert: Sa 26 Nov, 2016 17:06
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von cumberland » Fr 30 Jul, 2021 09:14

Moin Guido,

dann wollen wir gemeinsam hoffen, dass der Plan aufgeht.
flatsix911 hat geschrieben:
Do 29 Jul, 2021 23:08
Und obwohl im wesentlichen durch mangelnde Qualität und Zuverlässigkeit in der Vergangenheit viel zerstört worden ist halte ich die Marke für relativ stark, wegen ihrer Historie und auch weil sie im Vergleich zu BMW, Audi und Mercedes keine Massenware ist.
Obwohl man es zweimal genauso hat machen wollen, also Jaguar zur Massenware zu machen.
Das gibt die Marke aber offensichtlich nicht her, vielleicht "zum Glück".

Übrigens:
Ich werde heute noch vom interessierten Umfeld darauf angesprochen, ob mein 97er DD6 nicht doch eine Menge Probleme macht. Jaguar sei dafür ja bekannt. Da kann man noch so viel sagen, dass Qualitätsmängel seit ungefähr 25 Jahren bei dieser Marke kein Problem mehr darstellen (und überdies der eingebaute V12 schon beim Einbau 25 Jahre Reifezeit hatte). So richtig geglaubt wird das nicht.
25 Jahre - eine Menschengeneration hat nicht ausreicht, um das aus der Welt zu schaffen, was da bis zum Ende der 80er angestellt wurde.

In weiteren 25 Jahren ist meine statistische Lebenserwartung erreicht.
Ich schlage vor, wir treffen uns am 30.07.2046 hier nochmal wieder und werfen einen letzten Blick, ob es Jaguar noch gibt.
Würde mich beides freuen. :D

Benutzeravatar
flatsix911
Mitglied
Mitglied
Beiträge: 190
Registriert: Sa 28 Mär, 2020 17:38
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von flatsix911 » Fr 30 Jul, 2021 13:00

Moin,
Ich schlage vor, wir treffen uns am 30.07.2046 hier nochmal wieder und werfen einen letzten Blick, ob es Jaguar noch gibt.
Würde mich beides freuen.
ja, mich auch, aber ich fürchte das meine verbleibende Lebenserwartung so weit nicht reicht ..... :D

Einerseits schade, andererseit hat die Gnade der frühen Geburt den Vorteil, das man das Elend nicht mehr in vollem Umfang miterlebt.

Das die Qualitätsprobleme der 70 und 80er Jahre unbegründet bis heute nachwirken erlebe ich natürlich auch. Wenn man Jaguar fährt reicht die Pallette von Bewunderung für die enorme Risikobereitschaft bis hin zu ungläubigem Unverständnis für das freiwillige in Kauf nehmen unnötiger Probleme.

Anderen ebenfalls starken Marken wird das verziehen, Porsche hatte beim Wechsel von luft- auf wassergekühlte Motoren jahrelang massive, konstruktiv bedingte Qualitätsprobleme. Und was sich weitere sogenannte Premiumhersteller mit Steuerketten- und Direkteinspritzerproblemen heute leisten ist abenteuerlich. Offenbar werden moderne Fahrzeuge gezielt auf eine maximale Lebensdauer von 180 bis 200 tkm ausgelegt. Glück hat, wer die ohne größere Schäden erreicht.

Geschadet hat es den meisten im Gegensatz zu Jaguar nicht, fast alle erfreuen sich stetig steigender Umsätze und profitabler Renditen. Eine gute Erklärung habe ich dafür nicht.

Grüße, Guido
XK8 4.2 Cabrio (X100), XJ (X358)

Benutzeravatar
Cpt. Jag
Site Admin
Site Admin
Beiträge: 2022
Registriert: Mi 10 Dez, 2014 19:13
Kontaktdaten:

Re: Jaguar vor radikalem Umbruch

Beitrag von Cpt. Jag » Di 10 Aug, 2021 14:11

Hallo zusammen,

ich bin bei der Thematik ein wenig hin- und hergerissen.
Jaguar hat sich nach der Übernahme durch Tata mit Einstellung des BMW-Managers Speth ja schon mal neu erfunden.
Und der Trend war vielversprechend. Moderates Wachstum, und es wurde die obere Mittelklasse und die Oberklasse bedient.
Das Image des straßentauglichen Sportwagens sowie der sportlichen Edellimousine wurde weiterhin gepflegt.
Aber die letzten 2-3 Jahre war hier wieder ein Bruch drin. Bin mir selbst nicht so sicher, woran das lag.

Für mich ist allerdings klar, dass Elektro-Fahrzeuge die Zukunft ausmachen werden, unabhängig davon, ob die Energie aus Batterien oder aus einer Brennstoffzelle kommt.
Für unsere Verbrenner ist es natürlich tragisch, wenn sich Jaguar gedanklich und inhaltlich vollkommen von seinem Erbe abkoppelt und vielleicht in diesem Zuge auch alle Brücken hinter sich abbricht. Das steht in krassem Gegensatz zu einer Traditionsmarke.
Die Frage ist, welche Klientel sie dann damit ansprechen wollen. Ich fand die Werbefilme mit den britischen Schurken (Tom Hiddelston, Mark Strong und Ben Kingsley) richtig klasse - "It's good to be bad."

https://www.youtube.com/watch?v=B-_30ZRZAI0


Wie soll die Message nach dem neuen Konzept aussehen ?

Bleiben wir gespannt.


Gruß
André
XJ 8 Sovereign 4L / 2001
Where ignorance is bliss, 'tis folly to be wise.

Antworten